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Was ist FELDENKRAIS®


Menschen praktizieren FELDENKRAIS® aus ganz unterschiedlichen Gründen: Sie erleben, dass sie beweglicher werden, entspannter, körperlich und geistig fitter oder dass sie ein neues, gestärktes Selbstbewusstsein entwickeln. Schmerzen und Einschränkungen können sich verändern, wenn man beginnt, regelmäßig FELDENKRAIS® Lektionen durchzuführen. Der Wunsch, das eigene Leben, also sowohl sein Denken als auch sein emotionales Leben, verändern zu wollen, kann Anstoß sein, sich mit der Methode FELDENKRAIS® zu beschäftigen.

Wenn Sie FELDENKRAIS® praktizieren, beginnen Sie, mit Bewegungen zu experimentieren. Die Bewegungen werden angenehm und leicht ausgeführt, und einzelne Elemente daraus werden variiert, differenziert… Auf diese Weise bewegen Sie sich mit Aufmerksamkeit auf Ihren ganzen Körper – im FELDENKRAIS® sprechen wir von Bewusstheit (engl. awareness). Durch diese „Bewusstheit beim Bewegen“ entwickeln FELDENKRAIS® Praktizierende allmählich eine höhere Bewusstheit in all ihren Handlungen: „Bewusstheit durch Bewegung“ (engl. awareness through movement ATM) entsteht. Aus diesem Grund wirkt sich FELDENKRAIS® ebenso positiv auf die körperliche, wie auf die seelische Gesundheit aus.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, was FELDENKRAIS® eigentlich ist und was Ihnen diese Methode bieten kann? Dann lesen Sie hier gerne weiter …

Lebenslanges Lernen mit FELDENKRAIS®

Bei der Entwicklung seiner Methode hat sich Dr. Moshé Feldenkrais (1904-1984) am „organischen Lernen“ der Kleinkinder orientiert. Er hatte beobachtet, dass Kinder wahre Meister ihres eigenen Lernprozesses sind. Kinder sind besonders zu Beginn ihres Lebens darauf angewiesen, zu lernen, weil bei uns Menschen nur wenige Funktionen, wie Saugen und Atmen, von Geburt an angelegt sind. „Kein Neugeborenes kann sich so bewegen, wie ein Erwachsener; es muss die Bewegungen erst erlernen, indem es sich entwickelt und wächst.“ (Die Entdeckung des Selbstverständlichen, S. 133)

Kinder lernen neue Bewegungen per „Trial and Error“. Jede neu entdeckte Bewegung – z.B. wenn ein Baby sich zum ersten Mal selbstständig vom Rücken auf den Bauch rollen kann – erfüllt das Kind mit einer tiefen Befriedigung. Es hat etwas Bedeutsames gelernt. Die Motivation, weiter zu lernen, bleibt erhalten. So wird versucht, noch besser zu werden, z.B. im Hin- und Herdrehen vom Rücken auf den Bauch und zurück.

Kinder sind großartig im organischen Lernen. Sie sind Meister ihres eigenen Lernprozesses und schöpfen ihre Motivation aus der tiefen Befriedigung, die sie beim Entdecken eigener Lösungen empfinden. Diese intrinsische Motivation und die Begeisterung, mit der sie ihren Lernprozess gestalten, lassen sie mit all ihrer Aufmerksamkeit in dem Moment bleiben.

Ein Kleinkind widmet sich seiner Aufgabe in einem Moment mit voller Aufmerksamkeit – im FELDENKRAIS® sprechen wir von Bewusstheit (engl. awareness) –, bis die Bewegung schließlich ganz leicht und mühelos wird - und richtig Spaß macht!

Wie geht es Ihnen, wenn Sie das Wort „Lernen“ hören? Verbinden Sie damit Anstrengung, monotone Wiederholungen oder die Erfahrung, nicht gut genug zu sein? So geht es vielen Menschen. Schließlich haben wir alle viele Jahre unserer Kindheit und Jugend als „Lernende“ in schulischen Institutionen unter Anleitung von Lehrerinnen und Lehrern verbracht. Doch auch als Erwachsene – davon war Moshé Feldenkrais zutiefst überzeugt – haben wir die Möglichkeit, die kindliche Neugierde auf die Welt und den Spaß am Lernen, am „organischen Lernen“ wieder zu entdecken - und damit den Schlüssel für ein selbstbestimmtes, bewusstes Leben und Handeln. Neugierde, Entwicklung und Lernen gehören zu den Grundbedürfnissen von uns Menschen. Ein Leben lang erfordern unsere Umwelt, die „Wechselfälle des Lebens“, Unfälle, Erkrankungen oder auch kleinere Veränderungen eine Anpassung an neue Verhältnisse.

Möglicherweise ist auch unser Lernprozess in der Kindheit gestört worden, wodurch gegebenenfalls Funktionen nicht voll ausgebildet wurden und im Leben des Erwachsenen zu (gesundheitlichen) Problemen führen. Moshé Feldenkrais‘ geniale Idee war es, ausgehend vom „organischen Lernen“ der Kinder eine Methode der „indirekten Selbstkorrektur“ zu entwickeln, die erwachsenen Menschen das Neu-Lernen von Bewegungen und Handlungen im Alltag ermöglichen sollte.

Jedes noch so kleine Bewegungsmuster, das in einem Menschen besteht, ist im Selbstlernprozess der Säuglinge oder Kleinkinder entstanden. Wir alle sind sich bewegende Lebewesen und brauchen Bewegung in der Welt. Unser Gehirn und unser Nervensystem sind von Bewegung abhängig und können nur bestehen durch Bewegung in unserer Umwelt. Unser Zentrales Nervensystem ist dabei so plastisch, dass es sich lebenslang umbildet. Es lernt weiter. Heute ist die sogenannte „Plastizität“ des Gehirns bzw. des Zentralen Nervensystems (ZNS) allgemeiner Konsens in der neurobiologischen und neurophysiologischen Forschung. Durch alles, was wir sehen, hören, fühlen und erleben bilden sich neue Verschaltungen und alte ungenutzte Verschaltungen werden wieder abgebaut. Wir können also auch VER-Lernen. Das menschliche ZNS lernt ein Leben lang. In unserem ZNS entstehen durch alles, was wir sehen, hören, fühlen und erleben, immer wieder neue neuronale Strukturen.

Als Moshé Feldenkrais in der Mitte des 20. Jahrhunderts damit begann, seine Methode zu entwickeln, war er einer der wenigen, denen diese Zusammenhänge bereits bekannt waren. Die Theorie hinter seiner Methode hat erst nach seinem Tod ihren Durchbruch erfahren. Moshé Feldenkrais war hingegen bereits in den 1940/50er Jahren davon überzeugt, dass mittels Bewegung quasi direkt mit dem ZNS „kommuniziert“ werden kann. Mit seiner Methode hat er Menschen ein Werkzeug in die Hand gegeben, selbstbestimmt(er) zu leben.

Von früher Kindheit bis ins hohe Alter können Menschen FELDENKRAIS® ausüben und so ihr volles Potential entfalten.

Probieren Sie es aus!

 

Literatur

Carl Ginsburg: Lernen durch Bewegung. Eine andere Sicht auf die Verbindung von Körper und Geist nach Moshé Feldenkrais, Bern: Hogrefe 2016

Moshé Feldenkrais: Bewußtheit durch Bewegung. Der aufrechte Gang, Frankfurt a.M: Suhrkamp 2020 (Original hebr. 1967, dt. Insel-Verlag 1967)

Moshé Feldenkrais: Abenteuer im Dschungel des Gehirns. Der Fall Doris, Frankfurt a.M: Suhrkamp 2018 (Original „The Case of Nora“ 1977)

Moshé Feldenkrais: Die Entdeckung des Selbstverständlichen, Frankfurt a.M: Suhrkamp 2023 (Original „The Elusive Obvious“ 1981)

Uta Ruge und Sylvia Weise (Hrsg.): Zuerst bin ich im Kopf gegangen & andere Feldenkrais-Geschichten, Karlsruhe: Von Loeper Literaturverlag 2007

Christian Buckard: Moshé Feldenkrais. Der Mensch hinter der Methode, Berlin Verlag 2015

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»Egal wie genau wir auch schauen, es ist schwierig einen geistigen Akt zu finden, der ohne die Unterstützung irgend einer Art körperlicher Funktion stattfinden kann.«