b) Das Verhältnis zwischen FELDENKRAIS® Practitioner und KollegInnen:

KollegInnen sind FELDENKRAIS® Practitioner, -AssistentInnen, -TrainerInnen und -StudentInnen.

Feldenkrais-KollegInnen sollen berufliche Meinungsverschiedenheiten untereinander in sachlicher und respektvoller Form austragen. Insbesondere sollen KollegInnen nicht vor Dritten kritisiert werden.

Feldenkrais-KollegInnen sollen sich gegenseitig keine SchülerInnen abwerben. Bei eigenen Werbemaßnahmen sollen sie auf einen fairen Umgang mit KollegInnen achten.

Eine Verbandstätigkeit darf nicht missbraucht werden, um sich einen Vorteil vor KollegInnen zu verschaffen.

Feldenkrais-KollegInnen sollen sich nicht gegenseitig in ihrem persönlichen oder beruflichen Lernprozess und Wachstum einschränken.

c) Das Verhältnis zwischen FELDENKRAIS® Practitioner und Feldenkrais-Verband:

Verband und LehrerInnen verhalten sich einander gegenüber loyal.

Der Verband ist für die in ihm organisierten Feldenkrais-LehrerInnen Ansprechpartnerin in allen Fragen und Zweifelsfällen, die die Berufsausübung betreffen.

Wird gegen einen FELDENKRAIS® Practitioner ein den Beruf betreffendes Strafverfahren eröffnet oder werden Schadensersatzansprüche gestellt, muss der Verband unverzüglich darüber informiert werden.

d) Das Verhältnis zwischen FELDENKRAIS® Practitioner und Öffentlichkeit:

Bei öffentlichen Äußerungen über die Feldenkrais-Methode wie z.B. eigenen Werbebroschüren, Inseraten, Artikeln, Vorträgen oder Ähnlichem sollen FELDENKRAIS® Practitioner bedenken, dass sie dabei nicht nur ihre eigene Arbeit, sondern den ganzen Berufsstand in der Öffentlichkeit darstellen. Entsprechend verantwortungsbewusst sollen sie dabei vorgehen. KollegInnen oder der Verband dürfen durch Inhalt, Namensgebung oder Erscheinungsbild nicht beeinträchtigt werden.

Über Veröffentlichungen, die über die eigene Werbung hinausgehen, ist der Verband anschließend zu informieren. Nach Möglichkeit soll in Veröffentlichungen der Verband erwähnt werden.

e) Das Verhältnis zwischen FELDENKRAIS® Practitioner und anderen Fachleuten.

FELDENKRAIS® Practitioner üben ihre Tätigkeit im Rahmen ihrer beruflichen Kompetenz aus. Wenn die Arbeit es erfordert, suchen sie dabei auch fachliche Kooperation und Austausch mit anderen Fachleuten.

In ihren Unterrichtsangeboten weisen sie darauf hin, dass die Teilnahme der eigenen Weiterentwicklung dient und nicht dazu berechtigt, die Feldenkrais-Methode weiterzugeben, es sei denn, es wird eine vom Feldenkrais-Verband anerkannte Ausbildung angeboten. Das gilt insbesondere dann, wenn Angehörige verwandter Berufe unterrichtet werden.

Über Veröffentlichungen, die über die eigene Werbung hinausgehen, ist der Verband anschließend zu informieren. Nach Möglichkeit soll in Veröffentlichungen der Verband erwähnt werden.

f) Das Verhältnis zwischen FELDENKRAIS® Ausbildern und Auszubildenden

Selbstverständlich gelten die ethischen Richtlinien auch für die Zeit der Ausbildung zum FELDENKRAIS® Practitioner. Hier werden die Grundlagen für die spätere berufliche Tätigkeit gelegt, zu denen neben einer hohen fachlichen Kompetenz auch ein zutiefst respektvoller Umgang mit den Menschen gehört. Von diesem respektvollen Umgang soll auch die Ausbildung geprägt sein.

Die Organisatoren sorgen dafür, dass die Ethischen Richtlinien den Ausbildern und Auszubildenden bekannt sind und achten darauf, dass sie eingehalten werden.

Ausbildende Personen haben eine besondere Verpflichtung, die persönliche Integrität der Auszubildenden umfassend zu achten. Die Beziehung zwischen Ausbildenden und Auszubildenden ist bei aller möglichen Nähe stets professioneller Art. Sie ist von Verlässlichkeit geprägt. Entstandene Abhängigkeiten dürfen nicht in Ausnutzung des Machtgefälles missbraucht werden. Sexuelle Übergriffe an Auszubildenen und SchülerInnen sind immer ein solcher Missbrauch.

5. Vorgehensweise bei Konfliktfällen

Unabhängig von einer gerichtlichen Ahndung werden Verstöße gegen die oben stehenden Richtlinien durch die Ethikkommission des FVD Feldenkrais-Verbandes Deutschland e.V. untersucht. Gegebenenfalls leitet er ein Beschwerdeverfahren ein, das bis zum Ausschluss eines Mitglieds aus dem Verband führen kann. Näheres regelt die Durchführungsverordnung für das Verfahren bei Beschwerden über berufliches Fehlverhalten, die Teil dieser Richtlinien ist.

Beschluss durch die Mitgliederversammlung am 05.03.2016 in Karlsruhe

 

VERFAHREN BEI BESCHWERDEN ÜBER BERUFLICHES FEHLVERHALTEN - DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (Stand: 01.02.2017)

PRÄAMBEL

Die Ethikkommission und die Einspruchskommission sind ständige und unabhängige Gremien. Die Ethikkommission setzt sich aus einem vom Vorstand nominierten Vorstandsmitglied und zwei von der Mitgliederversammlung des FVD Feldenkrais-Verbandes für die Dauer von 3 Jahren gewählten Mitgliedern zusammen. Die Einspruchskommission setzt sich aus drei weiteren von der Mitgliederversammlung für die Dauer von 3 Jahren gewählten Mitgliedern zusammen. Außerdem nominiert der Vorstand ein Ersatzmitglied und die Mitgliederversammlung wählt ebenfalls für jede Kommission ein Ersatzmitglied. Die Kommissionen bestimmen aus ihren Reihen jeweils eine/n Vorsitzende/n. Wenn ein Mitglied der Ethikkommission oder der Einspruchskommission in persönlicher oder beruflicher Beziehung zum betroffenen Mitglied steht oder stand und sich so ein Interessenkonflikt ergeben kann, so soll dieses Kommissionsmitglied gegenüber dem Gremium seine Befangenheit erklären und am weiteren Vorgang nicht beteiligt werden. Auch die Kommissionsmitglieder haben untereinander die Möglichkeit, die Befangenheit eines Mitglieds zu benennen. Entscheidungen der Ethikkommission und der Einspruchskommission werden mit einfacher Mehrheit der Anwesen- den getroffen. Bei Ablauf der Legislaturperiode während eines laufenden Verfahrens bleibt die Zuständigkeit bis zum Ablauf des Verfahrens in den Händen des alten Gremiums. Eine Beschwerde über berufliches Fehlverhalten kann von KlientInnen, KollegInnen oder Externen vorgebracht werden und muss innerhalb von 2 Jahren nach dem Vorfall beim Vorstand des FVD Feldenkrais-Verbandes Deutschland e.V. schriftlich eingereicht worden sein. Auch der Vorstand des Verbandes und der/die Vorsitzende der Ethikkommission können auf gleichem Wege ein Beschwerdeverfahren initiieren. In allen Schritten des Verfahrens können die Ethik- oder die Einspruchskommission auf professionelle Hilfe zurück- greifen, insbesondere auch eine/n BeraterIn zu Schlich- tungsgespräch und Anhörung einladen; diese/r ist jedoch nicht stimmberechtigt. Der/die BeschwerdeführerIn sowie das betroffene Mitglied können zu allen Gesprächen eine/n FreundIn/BeraterIn mitbringen, der/die sich auch in der Sache äußern darf, ohne stimmberechtigt zu sein. Anonyme Beschwerden werden weder weitergeleitet noch zu den Akten genommen. Der Vorstand bestätigt gegenüber dem/der BeschwerdeführerIn den Eingang der Beschwerde und übergibt den Fall der Ethikkommission. Zeitgleich informiert der Vorstand auch das betroffene Mitglied über den Eingang der Beschwerde und die weitere Bearbeitung durch die Ethikkommission. Den BeschwerdeführerInnen und den betroffenen Mitgliedern wird größtmögliche Vertraulichkeit zugesichert.

Die Ethikkommission bestimmt aus ihren Reihen eine/n Verantwortliche/n für den jeweils vorgebrachten Fall, der vom/von der BeschwerdeführerIn, dem betroffenen Mitglied und evtl. über weitere Quellen in diskreter und vertraulicher Weise Informationen zur vorliegenden Beschwerde einholt. Auf der Grundlage dieser Informationen entscheidet die Ethikkommission, ob die Beschwerde im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens oder eines Beschwerdeverfahrens weiterbehandelt werden soll.

1. SCHLICHTUNGSVERFAHREN

Im Rahmen des Schlichtungsverfahrens finden ein oder mehrere Schlichtungsgespräche zwischen Ethikkommission, dem/der BeschwerdeführerIn und dem betroffenen Mitglied statt, um die Beschwerdeangelegenheit einvernehmlich zu regeln. Gelingt dies, so wird dem Vor-stand das Ergebnis mitgeteilt. Hiermit endet das Verfahren.

2. BESCHWERDEVERFAHREN

Ein Beschwerdeverfahren wird vom Vorstand eingeleitet, wenn
– die Ethikkommission ein Schlichtungsverfahren für unangemessen hält oder
a) es nicht zu einer Schlichtung kommt
b) oder der/die BeschwerdeführerIn oder das betroffene Mitglied dieses im Rahmen der Schlichtungsgespräche fordern.

Liegt dem Vorstand ein Antrag auf Einleitung eines Beschwerdeverfahrens vor, beauftragt er die Ethikkommission mit der weiteren Bearbeitung. Die Ethikkommission lädt mit einer Frist von 28 Tagen den/die BeschwerdeführerIn und das betroffene Mitglied zu einer Anhörung ein. Die Ethikkommission kommt nach ausreichender Anhörung und Beratung zu einer Entscheidung, die einen oder mehrere Punkte des folgenden Maßnahmenkatalogs beinhaltet:

Maßnahmenkatalog
1. Entlastung
2. empfohlene Verhaltensänderung
3. Verpflichtung zu Weiterbildung oder Supervision
4. Terminsetzung bei den Punkten 2) und 3)
5. Aussetzung der Mitgliedschaft auf Zeit
6. Ausschluss aus dem Berufsverband

Die Entscheidung der Ethikkommission wird dem Vorstand umgehend mitgeteilt, der seinerseits die Parteien unverzüglich unterrichtet. Akzeptieren beide Seiten die Entscheidung, ist das Verfahren beendet. Im Fall der unter Punkt 5) und 6) aufgeführten Maßnahmen werden weltweit alle anderen Feldenkrais-Verbände informiert. Die Angelegenheit wird für beendet erklärt.

Sowohl der/die BeschwerdeführerIn als auch das betroffene Mitglied haben die Möglichkeit, innerhalb von 4 Wochen Einspruch gegen die Entscheidung der Ethikkommission beim Vorstand einzulegen und lösen damit ein Einspruchsverfahren aus.

3. EINSPRUCHSVERFAHREN

Nach Eingang eines Einspruchs lädt die Einspruchskommission mit einer Frist von 28 Tagen zu einer Anhörung ein, an der neben den Parteien auch der/die Vorsitzende der Ethikkommission ohne Stimmberechtigung teilnimmt.
Die Einspruchskommission fällt nach ausreichender Anhörung und Beratung eine Entscheidung in Verbindung mit einem oder mehreren Punkten des oben genannten Maßnahmenkatalogs. Sie informiert unverzüglich den Vorstand, der beide Parteien und bei den Punkten 5) und 6) des Maßnahmenkatalogs weltweit alle anderen Feldenkrais-Verbände von der Entscheidung unterrichtet. Das Verfahren endet hier.

4. WIEDERAUFNAHME IN DEN VERBAND

Bei ruhender Mitgliedschaft ohne Sanktionen erfolgt die Wiederaufnahme in den Verband automatisch nach Ablauf der gesetzten Frist.
Sind dem ehemaligen Mitglied Auflagen erteilt worden, so muss die Erfüllung derselben dem Vorstand nachgewiesen werden.

verabschiedet durch die FVD Mitgliederversammlung am 18.03.2017 in Fulda