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Neues Curriculum: Gemeinsame Standards für Feldenkrais-Ausbildungen in Deutschland

Sabine Andersen

Erstmals existiert jetzt ein zentrales Curriculum für die Ausbildung der Feldenkrais-Lehrer*innen. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt für die weitere Professionalisierung unserer Arbeit“, sagt Sabine Andersen (Foto), Vorstandsmitglied des FVD Feldenkrais-Verbandes Deutschland. Zusammen mit anderen Aktiven des Verbandes hat sie in den vergangenen Jahren sämtliche Ausbildungsgrundlagen zusammengetragen, die in Deutschland existieren. „Damit haben wir erstmals den Ist-Stand aller Lehrpläne. Diesen werden wir nun detailliert auswerten, optimieren und für die Arbeitsanforderungen eines Feldenkrais-Lehrers ergänzen“, sagt Andersen. Im Interview spricht sie darüber, welche Anforderungen nun im Fokus stehen, die mögliche Anerkennung von Feldenkrais-Leistungen bei Krankenkassen und was das neue Curriculum für jeden Einzelnen bedeutet.


Frau Andersen, was genau ist das Besondere am neuen Curriculum für die Feldenkrais-Ausbildung in Deutschland?


So ein einheitliches Curriculum für die Ausbildungen in Deutschland gab es bisher noch nicht, das ist schon sehr besonders. Jedes Ausbildungsinstitut hatte bisher sein eigenes Curriculum auf der Grundlage der internationalen Qualitätsvorgaben – und wir wollten im Zuge der Professionalisierung und Qualitätssicherung ein einheitliches Curriculum erarbeiten, das als Grundlage für die Weiterentwicklung der Ausbildung dient und die Kompetenzstandards der Feldenkrais-Lehrer*innen wahrt.

Wie müssen wir uns die Erarbeitung des Curriculums zusammen mit den unterschiedlichen Ausbildungsinstituten vorstellen?

Das war ein Prozess über mehrere Jahre. Seit 2016 gibt es eine Standardkommission, in der die Ausbilder*innen gemeinsam mit Vertretern des FVD Standards für die Feldenkrais-Ausbildung in Deutschland entwickelt haben. Alle bisher im Training praktizierten Methoden und die seit Jahren in den unterschiedlichen Ausbildungsinstituten entwickelten Unterrichtspraktiken wurden gesammelt und dem Curriculum zugrunde gelegt.

Was genau passiert jetzt mit dieser doch umfangreichen Zusammenstellung?

Wir sprechen jetzt von einem Ist-Zustand aller Ausbildungsgrundlagen in den unterschiedlichen Ausbildungsinstituten. Diese Bündelung ist sehr wichtig, um einen Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der Ausbildungen festzulegen. Das Curriculum wird nun schrittweise überarbeitet. Gemeinsam erarbeiten wir nun neue Ausbildungsstrukturen, die auch neue Bedürfnisse mit abdecken.

Welche neuen Bedürfnisse sind das genau?

Über die Jahre hat sich herausgestellt, dass wir im Zuge unserer Professionalisierung als Berufsverband unsere Mitglieder noch gezielter auf den Berufsalltag vorbereiten müssen. Hier gibt es also einige Themen, die überarbeitet oder ergänzt werden müssen, beispielsweise das Lernfeld Psychologie. Außerdem sollen das Qualitätsmanagement und die Trainerausbildung modifiziert werden. Und die ethischen Richtlinien und die Arbeit der Präventionsbeauftragten sollen in das Curriculum eingearbeitet werden.

Welche Themen werden dagegen aus dem Curriculum gestrichen, weil sie einfach nicht mehr zeitgemäß sind?

Vielleicht wird es da auch Themen geben, die nicht mehr Teil des aktualisierten Curriculums sein werden. Welche genau, steht noch nicht fest. Jetzt gehen wir in die Diskussion und Überarbeitung. Erst dann wird sich herausstellen, welche Punkte zu streichen oder neu aufzunehmen sind. Ich gehe davon aus, dass das Curriculum sicher noch umfangreicher wird als bisher.

Welche Schwerpunkte sollten dann in Zukunft noch weiter vertieft werden?

Wir sollten uns auf jeden Fall den zeitlichen Umfang der Ausbildung nochmal genau anschauen. Hier könnten wir einiges optimieren – das gilt dann natürlich auch für die angepassten Lehrpläne. Unser Ziel muss es sein, qualitativ gut ausgebildete Feldenkrais-Lehrer*innen in die Welt zu schicken.

Soll das Curriculum auch in Zukunft regelmäßig überarbeitet werden?

Kontinuierliche Weiterentwicklung ist absolut notwendig und die wird auf jeden Fall stattfinden. Es ist das erste Mal, dass wir so ein umfangreiches Feldenkrais-Kompendium erstellt haben – nur die Amerikaner*innen haben bisher etwas Ähnliches gemacht. Wir wollen das Curriculum auf jeden Fall immer wieder evaluieren und überarbeiten – voraussichtlich in einem Zeitraum von zwei bis vier Jahren.

Wie könnte – mit Blick auf die internationale Feldenkrais-Community – die FVD-Arbeit Vorbild sein für die Curriculum-Entwicklungen in anderen Ländern?

Internationalität ist uns sehr wichtig und spielt auch in den Ausbildungsstandards eine immer größere Rolle. Wir beobachten, wie andere Feldenkrais-Verbände ihre Standards entwickeln. Austausch und Zusammenarbeit ist in der internationalen Feldenkrais-Community schon immer wichtig gewesen und wird es auch zukünftig sein.

Wie können die Mitglieder des FVD an der Überarbeitung des Curriculums mitwirken?

In der Standardkommission arbeiten Vertreter*innen unterschiedlicher Anspruchsgruppen zusammen. Trainer*innen, Vertreter*innen der Ausbildungsinstitute und erfahrene Kolleg*innen. Über diese Vertreter*innen haben auch die Verbandsmitglieder die Möglichkeit, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Die Mitglieder der Standardkommission sind für konstruktive Beiträge dankbar.

Wen unterstützt das fertige Curriculum konkret?

Am meisten hilft es uns als Berufsverband und unseren Mitgliedern bei der Außendarstellung. Wenn wir gefragt werden, was wir machen und was die Feldenkrais-Ausbildung beinhaltet, können wir jetzt direkt auf das Curriculum verweisen. Künftige Student*innen und Interessent*innen finden nicht nur Informationen zum Lehrplan, sondern auch Antworten auf wichtige Fragen: Wie sieht das Qualitätsmanagement aus? Wie qualifizieren sich Ausbilder*innen? Was beinhaltet ein Zertifizierungsverfahren? Interessierte bekommen ein ziemlich genaues Bild, wie die Inhalte der Feldenkrais-Ausbildungen aussehen. Außerdem beinhaltet das Curriculum natürlich Qualitätsstandards und ermöglicht uns, internationale Vergleiche zu ziehen.

Was bedeutet das neue Curriculum jetzt für ausgebildete Feldenkrais-Lehrer*innen und Ausbildungsinstitute?

Ausgebildete Lehrer*innen haben nach wie vor über gezielte Fortbildungen die Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren – sind aber vom Curriculum nicht betroffen. Bereits bestehende Ausbildungsinstitute erfahren Erleichterung bei der Anerkennung neuer Ausbildungsgänge und sind verpflichtet, sich an das Curriculum zu halten. Natürlich gibt es da immer noch Spielräume für eine individuelle Ausgestaltung von Ausbildungen. Das Curriculum dient hier als Rahmen, der das Ganze umgibt.

Welche Auswirkungen kann das Curriculum auf die Anerkennung und Weiterverbreitung von Feldenkrais in der Gesellschaft und bei den Krankenkassen haben?

Wir gehen davon aus, bei Institutionen und Krankenkassen mit den erarbeiteten Grundlagen noch professioneller aufzutreten zu können. Für die mögliche Kooperation mit Krankenkassen könnte das durchaus interessant sein. Wenn wir von den Krankenkassen anerkannt werden wollen, dann geht das sicherlich nur über Qualitätsarbeit, Qualitätssicherung und den Nachweis, was unsere Ausbildung alles beinhaltet. Inwieweit diese Professionalisierung sich auf die Anerkennung durch Krankenkassen auswirkt, kann heute noch nicht abgesehen werden – wir sind aber auch an dieser Stelle optimistisch!

Das Curriculum können Sie unter der Rubrik "FAQ - Ausbildungen" einsehen.