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IFF-Jahreskonferenz: „Die Feldenkrais-Community wird immer größer und internationaler“

Joachim Foss

Mehr forschen, besser fördern, intensiver vernetzen: Vom 24. bis 27. Mai 2018 fand die Jahreskonferenz der International Feldenkrais Federation (IFF) im mexikanischen Oaxaca statt. Joachim Foss, Vorsitzender des FVD Feldenkrais Verbandes Deutschland war mit dabei, um zusammen mit seiner Verbandskollegin Dr. Corinna Eikmeier, IFF-Repräsentation des FVD, die nationalen Belange vor Ort zu vertreten. Ihr Ziel: die Feldenkrais-Arbeit international weiter voranzubringen. Im Interview spricht Foss über die weltweiten Entwicklungen, die Ergebnisse der Tagung und über die Neuerungen, die sich für die deutsche Feldenkrais-Arbeit ergeben.

Herr Foss, welche Neuigkeiten bringen Sie aus Mexiko mit?
Ich stelle vor allem fest, dass die Feldenkrais-Community immer größer wird. Das merken wir schon daran, dass die Jahreskonferenz der IFF nun erstmals in Lateinamerika stattgefunden hat. Alle bisherigen Konferenzen waren bisher in Europa. Immer mehr Kolleginnen und Kollegen und damit eben Ausbildungen und Verbände sind in Lateinamerika beheimatet. Dieselbe Entwicklung beobachten wir auch im asiatischen Raum.

Warum wächst die Community gerade in Lateinamerika?
Ich könnte mir vorstellen, dass es mit den gesellschaftlichen Umwälzungsprozessen in dieser Region zu tun hat. Viele Menschen haben teilweise bittere Zeiten in Diktaturen hinter sich und suchen nun nach Wegen, um sich zu entfalten und aktiver zu werden – und da bietet die Feldenkrais-Methode gute Möglichkeiten. Wir stellen die Menschen mit all ihren Kompetenzen in den Mittelpunkt und arbeiten nicht nach starren Schemata mit ihnen.

Was können diese neuen nationalen Verbände vom FVD lernen?
Der FVD ist mittlerweile mehr als 30 Jahre aktiv. Das heißt, wir haben große Erfahrung, was die Strukturierung eines Verbandes und die Implementierung der Arbeit in verschiedenen Handlungsfeldern angeht. Das betrifft die Bereiche Kunst, Schule, Medizin, Erziehung oder auch die Psychologie. Da können wir sicherlich viel weitergeben. Das bezieht sich auch auf die Vielzahl an Ausbildungsinhalten und -formaten.

Welche deutschen Interessen haben Sie vor Ort in Mexiko vertreten?
Vor drei Jahren haben wir eine neue Akkreditierungsorganisation in Deutschland ins Leben gerufen, um die Feldenkrais-Ausbildung hierzulande auf der Grundlage internationaler Standards selbstständig weiterentwickeln zu können. Unseren Wunsch, die eigene Akkreditierungsorganisation noch stärker mit internationalen Partnern zu vernetzen, konnten wir vor Ort umsetzen. Damit können wir nun einheitliche Standards auch international besser voranbringen.

Welche politischen Entwicklungen sind derzeit international wie national zu beobachten?
Ganz wichtig ist uns das Thema Zukunftssicherung. Weil sich weltweit eine immer kleiner werdende Anzahl von Ausbilderinnen und Ausbildern abzeichnet, entstehen unterschiedliche Aktivitäten, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Diese Aktivitäten werden zum Teil sehr kontrovers diskutiert. Vor allem wenn es darum geht, dass auch Erfahrungen in beruflichen Kontexten außerhalb der Feldenkrais-Community stärker Berücksichtigung finden sollen. Im Zuge der MeToo-Debatte haben wir zudem verbindliche Regeln erarbeitet, die zur Einhaltung ethischer Grundlagen bei der Arbeit und in den Ausbildungen verpflichten. Außerdem wollen wir Kolleginnen und Kollegen, die über die Feldenkrais-Arbeit forschen, stärker unterstützen und international miteinander vernetzen. Nicht nur Krankenkassen schauen ganz gezielt auf aktuelle Forschungsergebnisse in unserem Arbeitsfeld – auch Hochschulen und andere Berufsgruppen im medizinischen und pädagogischen Umfeld beobachten die Feldenkrais-Aktivitäten.

Welche Neuerungen ergeben sich nach der Konferenz für die Feldenkrais-Mitglieder in Deutschland?
Wir wollen den wissenschaftlichen Nachwuchs, der sich mit dem Thema Feldenkrais auseinandersetzt, mehr unterstützen. Zum Beispiel über die Finanzierung einer Teilzeitstelle für koordinierende Aufgaben. Darüber hinaus wollen wir auch die Öffentlichkeit noch besser über unsere Arbeit und Strategien informieren. Eine große Aufgabe wird es weiterhin sein, die zahlreichen internationalen Feldenkrais-Publikationen ins Deutsche zu übersetzen. Und es wird neue spannende Veranstaltungen zu dem weiterentwickelten „Kompetenzprofil“ geben, einem Tool zur Einschätzung und Weiterentwicklung der eigenen beruflichen Kompetenzen.