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IFF-Assembly: „Wir brauchen international mehr Unterstützer“

Es ist das Spitzentreffen der Internationalen Feldenkrais Federation (IFF): Ende Mai haben sich im britischen Ort High Wycombe, gelegen zwischen London und Oxford, 28 Vertreter der nationalen Feldenkrais-Verbände getroffen, um aktuelle Themen in der weltweiten Feldenkrais-Comunity zu besprechen. Für den Feldenkrais-Verband Deutschland (FVD) waren Corinna Eikmeier aus Hannover und Christof Ganss aus Kreuzlingen dabei. Mit dem Wahl-Schweizer haben wir über die wichtigsten Ergebnisse, die neue Social-Media-Gruppe, bislang unbekannte Dokumente und die Herausforderungen für international tätige Feldenkrais-Lehrer gesprochen.

Herr Ganss, welche Neuigkeiten bringen Sie von der IFF Assembly aus England mit?

Für mich persönlich war vieles neu, da es meine erste Teilnahme an der Jahresversammlung der IFF war. Natürlich habe ich diese IFF-Assembly auch durch die Brille des Feldenkrais-Verbandes Deutschland betrachtet – und bringe für uns einige Neuigkeiten mit: So wurde der IFF-Vorstand bis auf den Finanzvorstand in diesem Jahr fast vollständig neu gewählt. Hier beobachte ich eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Aktuell ist zwar kein FVD-Mitglied im Vorstand, das wäre aber für die Zukunft erneut wünschenswert. Gerade für neue Feldenkrais-Projekte auf internationaler Ebene ist es wichtig, dass neue Vorstände wieder frische Energie reinbringen. Es gibt eine neue Social-Media-Projektgruppe, neue Videos, neue Aktivitäten des Materials Managers und mit Tschechien ein neues IFF-Mitglied. Es passiert also gerade eine ganze Menge.

Welche Interessen des Feldenkrais-Verbandes Deutschland haben Sie vor Ort vertreten?

Mir war es ein großes Anliegen, über unsere Planungen für die Jubiläumstagung im kommenden Jahr zu informieren. Für den FVD ist es wichtig, auch die Erfahrungen unserer internationalen Kollegen mit in die Veranstaltung 2020 einfließen zu lassen. Ein weiteres großes Thema der Assembly war die Berechnung der IFF-Mitgliedsbeiträge. Aufgrund der Anzahl seiner Mitglieder sollte der FVD einen höheren Beitrag entrichten – müsste dann aber auch mehr Stimmen im Gremium bekommen. Da aber nach unserer Ansicht alle Beteiligten gleichberechtigte Partner sein sollten, haben wir uns auf eine Deckelung des Mitgliedsbetrages für die großen Verbände in den USA und Deutschland wie bisher geeinigt. Darüber hinaus konnten wir die IFF von einer Satzungsänderung überzeugen, sodass dort nun auch das DTAB berücksichtigt wird. Das gibt uns mehr Gestaltungsspielraum.

Bei welchen internationalen Projekten bringen sich die deutschen Feldenkrais-Vertreter aktuell ein?

Da ist zuerst einmal Corinna Eikmeier aus Hannover zu nennen, die sich neben vielen anderen Themen schon lange sehr aktiv in der Research Group der IFF engagiert. Gerade in der Feldenkrais-Forschung gibt es noch sehr vieles zu untersuchen. Dann ist da der in Toulouse lebende Kai Schaper, der seit mehreren Jahren als Materials Manager aktiv ist. Für dieses Feld brauchen wir aktuell noch mehr Unterstützer. Wir alle wissen, wie wichtig uns die aktuellen Lehrmaterialien sind. Ich selbst bin in der neu gegründeten Social-Media-Projektgruppe. Zusammen mit der in Argentinien lebenden Marcela Bretschneider – viele kennen sie von den IFF-Videos – wollen wir über soziale Netzwerke unsere Zielgruppen erreichen.

Wie genau sehen Ihre Pläne für die Social-Media-Projektgruppe aus?

Mit den Aktivitäten wollen wir vor allem die Bekanntheit der IFF steigern. Die IFF ist zwar den aktiven Verbandsvertretern bekannt, viele Feldenkrais-Lehrer können aber mit ihr gar nichts anfangen. Die meisten wissen auch nicht, wie die IFF sie bei ihrer Arbeit unterstützen kann. So gibt es beispielsweise zahlreiche Videos, die von der IFF gesponsert und produziert wurden und die Feldenkrais-Lehrer auf ihrer eigenen Website zur Information einbinden können. Dieses Material wollen wir noch stärker nutzen, um der IFF in den sozialen Medien ein klareres Profil zu geben. Meine Aufgabe in der Projektgruppe ist, zusammen mit der Video-Produzentin Marcela Bretschneider eine Social-Media-Strategie zu erarbeiten und unsere Zielgruppen zu definieren. Sind das die Feldenkrais-Lehrer? Oder die Feldenkrais-Verbände, die bisher nicht in der IFF sind? Das sind spannende Fragen, die wir beantworten wollen.

Neben Ihnen als Social-Media-Manager gibt es auch einen Materials Manager. Was sind seine Aufgaben?

Es gibt im Archiv der IFF viele sehr Materialien von Moshé Feldenkrais, die in den vergangenen Jahren digitalisiert, aber noch nicht gesichtet und kategorisiert wurden. Darunter befinden sich Audio- und Videoaufnahmen in Deutsch, Englisch und Französisch. Kai Schaper als Materials Manager ist sehr aktiv in der IFF, um auch diese Arbeiten zu koordinieren. Er sucht freiwillige Helfer, die mit ihm Aufnahmen durchhören und Feedback geben, was sie beinhalten, und ob sie weiter aufbereitet werden sollten oder vernichtet werden können. Mir persönlich war gar nicht bewusst, dass dies noch ein andauernder Prozess ist. Also: Wer hier helfen möchte, bitte mit ihm in Verbindung setzen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Wie kann die IFF den FVD unterstützen?

Erst einmal ist es sehr wichtig, dass es einen internationalen Zusammenschluss gibt, der die Feldenkrais-Interessen vertritt. Uns als deutschem Verband hilft es sehr zu wissen, dass es in Europa aber auch weltweit Gleichgesinnte gibt, mit denen wir für gemeinsame Ziele arbeiten. Darüber hinaus profitieren wir von den Erfahrungen anderer Länder, die wir auch in Deutschland anwenden können. Zudem gibt es weltweit viele in der IFF vernetzte Feldenkrais-Lehrer, die Lehr-Methoden weiterentwickeln und andere daran teilhaben lassen. Nicht zuletzt liegen bei der IFF noch so viele Dokumente von Moshé Feldenkrais, die nach ihrer Auswertung allen zugutekommen.

Von welchen spezifischen FVD-Themen konnten die anderen Assembly-Teilnehmer profitieren?

Spannend war die sogenannte Schnappschussaufnahme. Jeder Vertreter hatte vor Ort zwei Minuten Zeit, vor den anderen Assembly-Teilnehmern die wichtigsten Punkte seines Heimatverbandes zu skizzieren. Wir haben über die kommenden Herausforderungen in Bezug auf die Altersstruktur unserer Mitglieder gesprochen. Auch unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Kommunikations- und Marketingagentur waren ein Thema. Gemeinsam mit dieser Agentur haben wir die Neugestaltung der Website, die Mitgliederbefragung und einen Strategie- und Maßnahmenkatalog für die nächsten Jahre angeschoben. Das sind im Augenblick sehr wichtige Themen für den FVD – und sicher auch spannende Einblicke für andere Verbände, die sich professionalisieren möchten.

Welche Herausforderungen warten Ihrer Meinung auf die Feldenkrais-Verbände weltweit?

Nach wie vor kämpft jeder einzelne Lehrer damit, den Bekanntheitsgrad der Feldenkrais-Methode deutlich zu erhöhen. Noch können viele Menschen wenig mit Feldenkrais anfangen. Da spielt jetzt natürlich auch die Unterstützung von Seiten der IFF und den nationalen Verbänden eine große Rolle. Ein weiteres Ziel für uns ist, die IFF zu erweitern und damit voranzubringen. Wir wollen die Zusammenarbeit der einzelnen nationalen Verbände verstärkt fördern. Es gibt international eine große Motivation zusammenzuarbeiten. Aber es gibt beispielsweise auch seit Jahren Feldenkrais-Ausbildungen in Russland, China und Japan – die Verbände sind aber bisher keine Mitglieder in der IFF. Auf der anderen Seite steht als Positivbeispiel der tschechische Feldenkrais-Verband, der seit einigen Wochen neues Mitglied der IFF ist. Es steht also klar auf unserer Agenda: Kontakte knüpfen, gemeinsam wachsen und die internationale Zusammenarbeit ausbauen.

Wie wird denn die Vernetzung und das internationale Arbeiten von Feldenkrais-Lehrern aktuell gelebt?

Internationale Vernetzung, auch auf Lehrer-Ebene, war in diesem Jahr ein großes Thema. Wir haben auch diskutiert, wie internationale Projekte besser durchgeführt werden können. Wir brauchen noch bessere Informationen zu den Regelungen, wenn ich beispielsweise einen Workshop in den USA geben möchte und dafür eine Arbeitsgenehmigung benötige. Da gibt es das sogenannte Entsendungsgesetz. Was erst einmal kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach. Hier wollen wir es den einzelnen nationalen Verbänden und den Kolleginnen in Zukunft einfacher machen, diesen Genehmigungsprozess zu verstehen. Die IFF ist für solche Themen und Projekte die internationale Koordinationsstelle. Der mexikanische Verband ist beispielsweise in Verbindung mit dem mexikanischen Ministerium für Sport und einem Ansprechpartner der kroatischen Fußballnationalmannschaft, die durch einen Feldenkrais-Trainer betreut wird. Hier kommt es vielleicht zu einem neuen Projekt. Es braucht meiner Meinung nach noch bessere Strukturen, um die internationalen Projekte fördern.

Inwiefern spielt auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit eine Rolle?

In diesem Feld ist von uns noch viel Arbeit zu leisten. Es gibt immer wieder Initiativen, um die Methode auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen, beziehungsweise die wissenschaftliche Basis der Methode stärker hervorzuheben. Für Moshé Feldenkrais als Physiker war der wissenschaftliche Blick auf seine Methode selbstverständlich. Es fehlen aber wissenschaftliche Belege, Studien und Untersuchungen zur Methode selbst. Aktuell werden Studien gesammelt und eine Befragung zur Mitarbeit vorbereitet, damit die Feldenkrais-Methode auch in der wissenschaftlichen Welt mehr Bedeutung erlangt.

Und wie profitieren Feldenkrais-Lehrer*innen bei ihrer Arbeit von den vielen Materialien und wissenschaftlichen Veröffentlichungen?

Die Materialien und Veröffentlichungen geben jedem Lehrer und jeder Lehrerin die Möglichkeit, ihren Unterricht individuell weiter zu entwickeln. Durch verstärkte Forschung können wir dafür sorgen, dass unsere Methode weiter an Relevanz gewinnt. Die Sichtung, Prüfung und Veröffentlichung bislang unbekannter Materialien sind nach wie vor aktuelle Prozesse. Hier kann sich jeder Feldenkrais-Lehrer aktiv einbringen. Außerdem gibt es für alle FVD-Mitglieder Sonderkonditionen beim Bezug von IFF-Materialien – das wissen viele überhaupt nicht. Auch das umfangreiche Social-Media- und Online-Material auf der IFF-Website kann von jedem Lehrer als Quelle genutzt werden. Damit kommt jeder mit seiner Arbeit einen guten Schritt weiter.

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