Aktuelles

Neuigkeiten aus der Welt des Feldenkrais

Feldenkrais-News

Aktuelle Infos für unsere Mitglieder und Interessierte

FVD-Tagungsvortrag Petra Jansen: „Mehr Bewegung kann schlau und glücklich machen“

Prof. Dr. Petra Jansen
Kein Zweifel: Regelmäßige Bewegung ist gut für den Körper. Was die verschiedenen Arten der Bewegung aber genau bei einem Menschen bewirkt, ist eine sehr komplexe und individuelle Angelegenheit. Für eine fundierte, wissenschaftliche Betrachtung hat sich Professorin Petra Jansen (Foto), Leiterin des Instituts für Sportwissenschaften an der Universität Regensburg, eingehend mit diesem Thema beschäftigt. Im Rahmen der vergangenen Feldenkrais-Jahrestagung in Regensburg präsentierte sie ihre spannende Forschungsarbeit unter dem Titel „Macht Bewegung wirklich schlau und glücklich? Und wie sieht es mit Feldenkrais aus?“

Dahinter steht natürlich auch die Frage: Macht die Methode Feldenkrais schlau und glücklich? „Studien zeigen, dass sich bei Probanden die Balance, die Körperbildwahrnehmung oder das Komfortempfinden nach Feldenkrais-Interventionen verbessert haben“, sagt Jansen. Aber: „Bislang hat keine wissenschaftliche Studie konkret untersucht, ob Feldenkrais schlau und glücklich macht“, stellt die Psychologin fest. Die Methode Feldenkrais habe definitiv Potential, es gebe aber noch viel zu erforschen. „Menschen, deren Kernkompetenzen sich durch Feldenkrais erweitern, werden dadurch ermutigt, sich vielfältiger und selbstverständlicher zu bewegen“, ergänzt Joachim Foss, Vorsitzender des Feldenkrais-Verbandes Deutschland (FVD).

Nur wenige relevante Studien zum Zusammenhang von Sport und Glück

Petra Jansen widmet sich in ihren Forschungsarbeiten der Frage wie Bewegung und Glück zusammenhängen. Das sei überaus komplex und liege daran, dass Glück ein sehr individuelles Empfinden sei, das von vielen Faktoren wie zum Beispiel dem sozialen Umfeld, den persönlichen Erfahrungen oder auch dem Lebensalter abhänge. „Bei unserer Auswertung von internationalen Studien, die den Zusammenhang zwischen Sport und Glück untersuchen, zeigte sich eine große Heterogenität, was den Stichprobenumfang, die untersuchte Sportart oder auch die Messweise angeht“, erklärt Professorin Jansen. Von über 1.000 identifizierten wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema – und das nur, wenn der Begriff „happiness“ für den Glücksbegriff zugrunde gelegt wurde – blieben letztendlich nur acht übrig, die Relevanz für Jansens Forschungsfrage hatten. Von diesen acht Arbeiten zeigte sich in sechs eine Steigerung des Glücksempfindens. Das bedeutet auch für diese Forschungsfrage: Es muss weitere, hypothesengeleitete Studien geben, die tiefere Einblicke erlauben. „Wir sehen aber: Mehr Bewegung kann unter Umständen glücklich machen.“

Ältere Menschen: Bewegung wirkt dem kognitiven Abbau entgegen

Macht Bewegung nun aber nicht nur glücklich, sondern auch schlau? Dafür hat Petra Jansen zwei kognitive Bereiche betrachtet: exekutive Funktion und räumliche Kognition. Während es bei den exekutiven Funktionen beispielsweise darum geht, Information kurzfristig zu speichern oder auf Relevantes zu reagieren, umfasst räumliche Kognition etwa die Fähigkeiten, Wege zu finden oder sich Objekte in einer bestimmten Position vorzustellen. Beispielsweise konnte in Studien mit Kindern nachgewiesen werden, dass akutes Training die exekutiven Funktionen verbessert. Diese haben eine Schlüsselfunktion beim Schulerfolg. In einer anderen Studie mit Kindern in diesem Alter haben Forscher wiederum einen positiven Effekt von Sport auf die räumliche Kognition festgestellt. Auch dem kognitiven Abbau bei älteren Menschen kann Bewegung entgegenwirken, wie verschiedene wissenschaftliche Arbeiten zeigen, wobei die zusammenfassenden Arbeiten zu diesem Thema nicht immer so positiv ausfallen. „Menschen, deren Kernkompetenzen sich durch Feldenkrais erweitern, werden dadurch ermutigt, sich vielfältiger und selbstverständlicher zu bewegen“, ergänzt Joachim Foss, Vorsitzender des Feldenkrais-Verbandes Deutschland (FVD).

Weitere Untersuchungen zum Zusammenhang mit emotionalen Variablen notwendig

„Die Frage, ob Bewegung schlau macht, kann zumindest teilweise bejaht werden. Es gibt gesicherte Evidenz für exekutive Funktionen und räumliche Kognition“, so Professorin Petra Jansen. „Bewegung kann also helfen, kognitiv in Schwung zu bleiben.“ Nach Einschätzung der Sportwissenschaftlerin seien für eine umfassendere Bewertung noch weitere Studien notwendig – etwa zum richtigen Maß an Bewegung oder zum Zusammenhang mit emotionalen Variablen. Das unterstützt auch der FVD-Vorsitzende Foss: „Die Feldenkrais-Arbeit setzt genau an dieser Stelle an und verbessert die Wahrnehmung für die eigenen Bedürfnisse einerseits, andererseits sensibilisiert Feldenkrais für die vielseitigen Wechselwirkungen zwischen körperlichem, geistigem und emotionalem Wohlbefinden.“

Foto: privat

Auf dieser Website werden Cookies verwendet. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, können Sie die Website besser nutzen.