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DTAB: „Wir sind als vierter Akteur bei allen internationalen Diskussionen integriert“

Joachim Foss
Qualitätssicherung in der Ausbildung: Dafür steht das Deutsche Training Akkreditation Board (DTAB) des FVD Feldenkrais-Verbandes Deutschland e.V. Gegründet im Mai 2015, hat sich das Board mittlerweile zu einer gleichberechtigten und eigenständigen Institution neben dem European Training Accreditation Board (EuroTAB), dem North American Training Accreditation Board (NATAB) und Australian Training Accreditation Board (AusTAB) entwickelt. Nach mehr als drei Jahren im Einsatz zieht der FVD-Vorsitzende Joachim Foss (Foto) Bilanz. Im Interview spricht er darüber, was sich durch das DTAB für die deutsche Feldenkrais-Community bisher verändert hat, wie die internationale Zusammenarbeit aussieht und wie das DTAB dabei helfen kann, Nachwuchskräfte zu rekrutieren.

Herr Foss, warum benötigen wir eigentlich ein deutsches Akkreditierungsboard für die Feldenkrais-Ausbildungen?


Wir wollten mehr Handlungs- und Einflussmöglichkeiten bei der Weiterentwicklung der Ausbildungsstandards. Vor der Gründung des DTAB gab es in diesem Kontext ausschließlich quantitative Kriterien, nach denen entschieden wurde. Uns war sehr daran gelegen, diese Standards und eine ganze Reihe anderer Themen qualitativ weiterzuentwickeln und als weltweit größter nationaler Feldenkrais-Verband sahen wir uns auch in besonderer Verantwortung, hier initiativ zu werden. Unter dem Dach des EuroTAB hätten wir so nicht aktiv werden können. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Sichtbarkeit des FVD als verantwortlichem Berufsverband für das Thema Ausbildungen.

Mit welchen Themen hat sich das DTAB seit der Einführung beschäftigt?

Wir haben mit diesem Schritt unseren Verband noch deutlicher zu einem Berufsverband entwickelt, weil wir unsere Ausbildungen selbstbestimmt regeln können, solange der Gesetzgeber dies nicht tut.
Wir können damit die Qualität in der Feldenkrais-Ausbildung der deutschen Rechtssituation angemessen entsprechend mitgestalten und gewährleisten. Gegenüber Behörden oder Krankenkassen ist Transparenz wichtig – die haben wir zum Beispiel jetzt mit einem Ausbildungscurriculum. Dieses Curriculum hat es in dieser Form vorher nicht gegeben. Das ist ein Prozess, den wir kontinuierlich weiterentwickeln werden.

Wie genau sieht der Austausch mit anderen, internationalen Anerkennungsgremien aus?

Da wir im Vorwege der Gründung des DTAB auf internationaler Ebene unsere Überlegungen bereits kommuniziert hatten, war der Einstieg hier relativ leicht. Durch regelmäßige Gespräche und intensiven Schriftverkehr über international zu regelnde Akkreditierungen haben wir uns recht schnell emanzipiert. Konkret erfolgt der Austausch zwischen den TABs schriftlich und im Rahmen sogenannter Inter-TAB-Gespräche, die regelmäßig stattfinden. Hier kommunizieren wir auch unsere Arbeit und beteiligen uns an der Diskussion zu den Themen und Projekten der anderen TABs. Mittlerweile sind wir ohne Einschränkungen als vierter Akteur – neben dem EuroTAB, dem NATAB und dem AusTAB – bei allen internationalen Diskussionen völlig integriert und anerkannt.

Es gibt mittlerweile Anerkennungskommissionen für Ausbildungspersonen und Ausbildungsinstitute. Welche Vorteile bringen diese Kommissionen und welchen Herausforderungen haben sie sich zu stellen?

Der größte Vorteil ist sicherlich, dass in den Anerkennungskommissionen durch die heterogene Zusammensetzung unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven eingebracht werden. Die bestehende Struktur vereinfacht unsere Arbeitsabläufe und ist für alle an den Prozessen Beteiligten gut verständlich. Außerdem ist die Arbeit durch verschiedene Kommissionen besser auf mehrere Menschen verteilt. Die größte Herausforderung besteht darin, diese Kommissionen auch in Zukunft adäquat personell besetzen zu können. Die Gruppe der Ausbilderinnen, Ausbildungsorganisatorinnen und Vorstände, die aktuell aktiv sind, ist recht überschaubar. Wenn jetzt aus Altersgründen Kolleginnen und Kollegen ausscheiden, wird es sehr spannend werden, wie gut es uns gelingt, für ausreichend Nachwuchs zu sorgen.

Was machen Sie denn genau, um jetzt den Nachwuchs zu gewinnen?

Auf Ausbilderebene sollen zum Beispiel sogenannte Assistenztrainer und -trainerinnen besser gefördert werden. Dazu wird es im nächsten Frühjahr eine große Veranstaltung geben, zu der die Trainer und Trainerinnen einladen. Diese Veranstaltung wird vom DTAB finanziert. Auch dies ist erst jetzt mit der Gründung des DTAB möglich geworden. Der FVD und die in Deutschland ansässigen Ausbildungsinstitute haben vor Gründung des DTAB aufgrund ihrer Größe jahrelang den im europäischen Vergleich größten Betrag beim EuroTAB eingezahlt. Bedingt durch die damalige Struktur hatten wir dort gleichzeitig aber nur minimalen Einfluss auf die Abläufe und Inhalte. Jetzt können wir diese Gelder sinnvoller einsetzen und unsere Arbeitsergebnisse dann im Anschluss auch anderen Feldenkrais-Verbänden zur Verfügung stellen. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunftssicherung.

Welche Auswirkungen sehen Sie für die zukünftige Ausbildung?

Insgesamt gehen wir davon aus, dass die Feldenkrais-Ausbildungen durch das Zusammenwirken aller Beteiligten innerhalb des DTAB noch mehr Profil gewinnen. Dies trägt hoffentlich dazu bei, die Ausbildungen und ihre Inhalte noch besser darzustellen und so die Anzahl der Auszubildenden zu vergrößern.

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