Mit der Entwicklung seiner Methode hat Moshé Feldenkrais viele wissenschaftliche Erkenntnisse für den Alltag fruchtbar gemacht. Er selbst stieß zu seinen Lebzeiten in der Welt der Wissenschaft auf geteiltes Echo. Viele schätzten seine Arbeit sehr – dazu gehörten führende Persönlichkeiten wie der Gehirnforscher Karl Pribram, die Anthropologin Margaret Mead oder der Kybernetiker Heinz von Förster. Für andere war er ein Physiker mehr, der den schmalen Grat zur Irrationalität überschritten hatte - was Feldenkrais sehr verletzte. Die praktischen Erfolge seiner Methode waren zwar unbestreitbar, aber er dürstete immer auch nach offizieller Anerkennung von Seiten der akademischen Welt.

Als somatisches Lernverfahren der Wissenschaft verpflichtet

Heutige Forschungsergebnisse belegen seine Annahmen, dass Lernen auf Gehirnstrukturen einwirkt, und organisches Lernen unabhängig vom Alter immer möglich ist. Theorien zur Selbstorganisation von Systemen sind vermehrt in der Diskussion; eine Sichtweise, die der durch Kybernetik geprägte Ingenieur Feldenkrais von Anfang an verfolgt hat. Die Bedeutung, die Feldenkrais dabei der Bewegung beigemessen hat, gewinnt zunehmend Anhänger in der psychologischen Forschung, ebenso, wie die Annahme, dass Bewegung einen sinnvollen Handlungskontext braucht. Die heutzutage viel diskutierten Spiegelneuronen scheinen eine Bestätigung für seine Hypothese zu sein, wie wichtig Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft für das Lernen und die menschliche Entwicklung sind. Feldenkrais ließ sich in späteren Jahren durch intensive Auseinandersetzung mit Zeitgenossen wie z.B. Milton Erickson, Ida Rolf, Heinz Jacoby, G.I. Gurdjieff, F.M. Alexander von deren Erkenntnissen inspirieren. Er studierte ihre Verfahren und pflegte den Austausch, um sein Verständnis und seine eigene Arbeit weiterzuentwickeln.

Einheit von Körper und Geist

Dass Körper und Geist in der Lebensfunktion ein untrennbares Ganzes bilden – ein Grundthema von Feldenkrais - wird beispielsweise von der modernen Hirnforschung bestätigt. Der international renommierte Neurologe A.Damasio belegt eindrücklich, dass jedes Erleben einschließlich des Denkens auf körperliche Empfindungen zurückgeht und das eine das andere wechselseitig prägt.