... in der Musik

Nicht wenige MusikerInnen haben sich – aus leidvoller Erfahrung mit blockierten Schultern, Lampenfieber und einem insgesamt harten, professionellen Orchesteralltag und Musikbetrieb – mit der Feldenkrais-Arbeit beschäftigt und sie kreativ im eigenen Spiel bzw. Unterricht adaptiert. In vielen Musikschulen, Musikhochschulen und Orchestern ist mittlerweile die kinästhetische Wahrnehmungsschulung Teil des Arbeitsalltags geworden.

Eine ehemalige Konzertmeisterin, die wegen ‚fokaler Dystonie' (auch ‚Musikerkrampf' genannt) ihre Tätigkeit bei den Bamberger Symphonikern aufgeben musste, argumentiert für Musikphysiologie und Musikermedizin, für eine Stärkung dieser Entwicklung und sagte: „Zehn Jahre Unterrichtstätigkeit als Geigendozentin an der Musikhochschule in Freiburg sowie meine Erfahrungen als Feldenkrais-Pädagogin bei der Arbeit mit anderen Berufsmusikern, haben mich davon überzeugt, dass die Fähigkeit, kinästhetisch zu empfinden, eine wesentliche Hilfe darstellt zur Optimierung der Instrumentaltechnik."

Die simple Aufforderung „Spielen Sie mit weniger Kraft!", nützt meist ebenso wenig wie die Anweisung: „Entspannen Sie sich!". Hier muss mit ‚neurologischer Diplomatie' vorgegangen werden: sich hinlegen und ungewohnte Schulter-, Arm- und Fingerbewegungen ausführen, ihren Zusammenhang mit Rippen und Becken und bis zu den Füßen hinunter erspüren, die Atmung beobachten, in ungewöhnlichen Positionen einen Ball fangen oder Geige, Cello, Saxophon spielen...

So wird das reflexartige Muster des Greifens, Haltens und (Bogen- oder Atem-) Führens, das sich vielleicht über Jahre hinweg eingespielt hat, aufgelöst und die Freude am experimentellen und improvisatorischen Umgang mit sich und dem Instrument erneut geweckt (siehe auch Pressefoto-Galerie).

„Es gibt vieles, was über die Begabung hinaus für die Kunst wichtig ist. Ich möchte die Handarbeit erwähnen, etwas, das leicht übersehen oder aber mystifiziert wird. Auf den ersten Blick mag dieser Aspekt unbedeutend erscheinen, in kreativen Berufen ist er dennoch entscheidend. ... Bei Streichern sind es die Feinheit der Bogenführung, das variable Vibrato, geschickte Fingersätze, unmerkliche Übergänge, die Geläufigkeit: Die Krönung eines endlosen Lernprozesses... Nur diejenigen, die Herr ihres Handwerks werden, haben die Chance, Musik zum Schwingen zu bringen..." (Gideon Kremer)


...in der Darstellenden Kunst

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" – Karl Valentins berühmter Aphorismus skizziert die alltägliche Bühnenarbeit höchst realistisch. Die darstellende Kunst ist ein hartes Handwerk. Ihre Ressourcen sind körperliche Geschicklichkeit, geistige Flexibilität und seelische Offenheit der Darsteller. Doch erst Bewusstheit macht aus begabtem Spiel, aus Inspiration und Leidenschaft – Kunst. Absichtslos forschen, nicht werten, die Entwicklung einer Bewegung beobachten, Muster erkennen, der Schwerkraft, also dem Konkreten folgen, – die methodischen Grundlagen der Feldenkrais-Stunden öffnen eine leicht zugängliche Meta-Ebene für die Rollenarbeit.

Tatsächlich kann man den ganzen Probenprozess wie eine Feldenkrais-Stunde betrachten: „Alles ausprobieren, alles Überflüssige weglassen - dann ist 'ne Rolle fertig", so ein , Schauspielschüler an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/M.