Aus der durch Pogrom und Revolution bedrohten Welt eines russischen Shtetls stammend schließt sich der vierzehnjährige Moshé Feldenkrais 1918 einer Gruppe von Auswanderern nach Palästina an. Dort arbeitet er zunächst im Straßenbau, schließlich in der Landvermessung. Zur Verteidigung der jüdischen Siedlungseinheiten lernt und unterrichtet er nebenbei Jiu-Jitsu für Erwachsene und nimmt sich als Privatlehrer mit unorthodoxen Methoden schwer zu unterrichtender Kinder an.

Mit dreiundzwanzig Jahren macht Moshé Feldenkrais das Abitur am Herzl Gymnasium in Tel Aviv und geht zum Studium nach Paris. Hier wird er zunächst Ingenieur, studiert dafür Mechanik und Elektrotechnik, nimmt anschließend noch ein Physikstudium auf und arbeitet von 1933 bis 1940 als Nukleartechniker im Labor von Frederic Joliot und Irene Joliot-Curie (Nobelpreis 1935 für Chemie). Seine Leidenschaft für die innere Mechanik der Dinge, vor allem aber die menschliche Bewegung, führt ihn zum Judo-Begründer Professor Iagoro Kano; er gründet den ersten Judo-Club Frankreichs und erlangt 1936 als einer der ersten Europäer den 'Schwarzen Gürtel'.

Seine ersten drei Bücher, Jiu-Jitsu und Selbstverteidigung, Die Verteidigung des Schwachen gegen den Aggressor und ABC des Judo entstanden End e der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre in Tel Aviv und Paris. Für die gleiche Zeit, zwischen 1932 und 1940, sind auf seinen Namen drei Patente in Paris registriert (ein Kompass zum Zeichnen von Ellipsen, eine technische Verbesserung zur elektrischen Sterilisation von Luft, und eine  Couponschere). In seinen wissenschaftlichen Aufsätzen konzentriert Moshé Feldenkrais sich auf Detailfragen des Messens von Quantität und Qualität.

In dem kleinen schottischen Ort Fairlie bei Glasgow, wohin er nach seiner Flucht vor der deutschen Besatzung Frankreichs und nunmehr als Angestellter der britischen Admiralität gerät (1940 – 1946), hält er vor der kleinen Kolonie von Wissenschaftlern Vorlesungen, die später die ersten Kapitel seines Buches Body and Mature Behaviour (dtsch: Der Weg zum reifen Selbst, Eine Studie zu Angst, Sex, Schwerkraft und dem Prozess des Lernens'.) bilden. Es erscheint 1949 und ist Feldenkrais’ erster Versuch, seine Erfahrungen und Überlegungen zu einer Theorie zu verarbeiten.

Trotz des Angebots einer reichen Mäzenin, ihm ein eigenes Institut in London einzurichten, entscheidet er sich 1949 für den neu gegründeten Staat Israel. Dort leitet er zunächst die Elektronikabteilung des Verteidigungsministeriums, widmet sich ab 1952 jedoch ausschließlich der Praxis, Lehre und Verfeinerung seiner eigenen Arbeit. Er unterrichtet an der Universität von Tel Aviv, hält Vorträge in Europa und den USA, und publiziert das erste Buch, in dem er seine Methode mit Anleitungen vorstellt (Der aufrechte Gang, heute Bewusstheit durch Bewegung, Frankfurt 1968). Drei Ausbildungen in der nunmehr nach ihm benannten Methode hat er selbst geleitet: seit 1968 die seiner israelischen Assistenten, 1975-1977 die einer ausgewählten Gruppe in San Francisco, und ab 1980 einer Gruppe von zweihundertfünfzig Studenten in Amherst, Massachusetts. 1981 erleidet er einen Hirnschlag, von dem er sich nicht mehr gänzlich erholt, und stirbt 1984 in Tel Aviv.

Kritische Würdigungen seiner Lernmethode betonen die durch die Feldenkrais-Arbeit zustande kommende neurologische Neuorganisation. (Hierzu siehe die einzige von Feldenkrais publizierte ‚Fallgeschichte‘ in seinem Buch Abenteuer im Dschungel des Gehirns, Der Fall Doris, Frankfurt 1981.) Ebenfalls hervorgehoben wird seine zwar wissenschaftskritische, aber dennoch unbestechlich auf die Materialität und Nachweisbarkeit seiner Arbeit bestehende Haltung.