Sonntag , 15. April , 12.30 Uhr
„Öffnen“
Bärbel Kasperek, Andrea Klassen, Gabriele Oberreuter
In unserem Projekt „ÖFFNEN“ geht es zunächst um die Wahrnehmung unseres Körpers als eines verschlossenen Raums. Die Erfahrung von Schutzlosigkeit lässt viele von uns mit Willen und Disziplin eine straffe Haltung einnehmen. Wir machen innerlich fest, spannen die Muskulatur allzu sehr an und stemmen uns innerlich gegen Gefühle der Hilflosigkeit, Unsicherheit, einer Vorstellung, sich aufzulösen, wenn ich Gefühlen nachgebe. So verschließen wir uns auch gegenüber den guten, tragenden Gefühlen, die sich nach bestandenem Risiko einstellen. Wir bringen uns um Momente der Selbstwahrnehmung, des sicherer Werdens „in uns selbst“ – was letztlich Fremdgesteuertheit, Abhängigkeit von Leistung und Resonanz auflösen kann. Wie sich solch eine Erfahrung künstlerisch ausdrücken lässt, das wollen wir in einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit vorstellen. Wir erarbeiten eine Synthese von Feldenkrais- Erfahrung, künstlerischer Körperarbeit in Performance und der Begegnung mit Werken Bildender Kunst, die diese Thematik virtuos vorführen – z. B. Bilder von Hieronymus Bosch und Pieter Breughel. Sensibilisierungsübungen bilden den Einstieg in das Abenteuer von Wahrnehmung und Erfahrung mit dem Körper. Schwerpunkte der Körperarbeit (nach der Feldenkrais- Methode) von Andrea Klassen (Köln) werden sein: Erdung – Kontakt der Fußsohlen und des Beckens zur Erde, Konzentriertes Gehen, Balance von Spannung/Entspannung, Leere/Stille/Zwischenraum, Innen/Außen, Innere Bilder/Imagination, Achtsamkeit und Präsenz des eigenen Körpers. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, uns durch Bewegung körperlich wahrzunehmen, so erweitert sich der ästhetische Blick. Das innere Körperbild wird verändert, der Blick nach außen weitet sich. Die Befreiung des inneren Kerns vom beengenden Muskelpanzer, ermöglicht den Zugang zu inneren Bildern und Emotionen. Ein „Umpolen von außen nach innen“, kann stattfinden. In diesem Sinne ist die Feldenkrais-Methode ein hervorragendes Werkzeug, um an stets neue und tiefere Dimensionen zu gelangen. Unser Selbstbild gerät in wohltuende Dynamik. Zugang und Gespür für den Körper sind die Basis für Ausdruck und Verständnis ästhetischer Ausdrucksformen. In diesem Sinne geht es in unserem synästhetischen Experiment um die Wahrnehmung unser selbst mittels Kunst.
Bärbel Kasperek (Hannover) agiert in ihrer Performance „TRANSFORMATION – Haut – Haus – Kontaktzonen“ an der Nahtstelle von Innen- und Außenwelt. Mit Stoffen wird der Körper als Haus, Gefäß in seiner Geschlossenheit deutlich, zugleich öffnet er sich durch Bewegungen und Aktionen und überschreitet so Grenzen. Dieser Verwandlungs- und Wachstumsprozess öffnet – um beim Bild des Hauses zu bleiben – Fenster und Türen für neue Erfahrungen und Bilder für die Performerin – wie auch die ZuschauerInnen.
Ich selbst (Gabriele Oberreuter, Brühl) werde an Hand von künstlerischen Bildern den Weg, die Erfahrung des sich Öffnens vorstellen: die Begegnung mit Kunst ereignet sich in einem umfassenden, tiefen Sinn, wenn ich mir meines Parts in diesem Dialog bewusst werde. Ich bin keine neutrale Projektionsfläche für das Werk, das ich betrachte. Es gibt die Erfahrung von Stimmigkeit, von Bedeutung für mich, von Angezogenheit durch bestimmte Bilder. Wenn ich mich der Begegnung mit Kunst überantworte, kann ich den Geheimnissen meiner Innenbilder, der Steuerung und dem Antrieb meines Lebensalltags näher kommen.
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